Sainte Marine – Marina Sainte Marine
Liegeplätze und Infrastruktur im Port de Sainte-Marine
Der Port de Sainte-Marine liegt am westlichen Ufer der Odet-Mündung gegenüber Bénodet. Der kommunale Betreiber nennt 770 Plätze: 350 an Stegen mit 50 Gastplätzen sowie 420 Bojenplätze mit 20 Gastplätzen. Die Strömung im Fluss kann kräftig sein; Zuweisung, zulässige Maße, Tiefgang und Anlegemanöver sind mit dem Hafenbüro abzustimmen.
Wasser und Strom stehen an allen Stegen über Versorgungssäulen zur Verfügung. Der Betreiber veröffentlicht keine allgemeinen Anschlusswerte; Spannung, Leistung, Stecker und Verbrauchsregelung müssen daher für den konkreten Platz bestätigt werden. Öffentliches WLAN und ein saisonaler Revierdienst für Personen- und Materialtransporte ergänzen den Service.
Die Sanitär-Infrastruktur Toul ar Marc’h liegt oberhalb der Gangway gegenüber Steg B. Sie ist rund um die Uhr per Code zugänglich und umfasst acht Duschen sowie sieben Toiletten, jeweils mit zwei barrierefreien Einheiten. Haushaltsabfälle und Wertstoffe werden getrennt gesammelt. Für Farben und verschmutzte Tücher gibt es eine Annahme während der Hafenbürozeiten; eine Schwarzwasserpumpe nennt der aktuelle Betreiber nicht verbindlich.
Eine Tankstelle am Wasser wird auf den aktuellen offiziellen Service- und Ausstattungsseiten nicht ausgewiesen. Kraftstoff darf deshalb nicht als im Hafen verfügbar angenommen werden. Die nächstgelegene sichere Bezugsstelle sowie die Regeln für Transport und Betankung sind bei der Capitainerie zu erfragen.
Eine Slipanlage liegt beim Hafenbüro. Die bisherige Arbeitsfläche wird aus Umweltgründen schrittweise geschlossen: Nach den veröffentlichten Übergangsfristen sind seit 2026 nur noch Boote unter sieben Metern vorgesehen, endgültig endet der Betrieb zum 1. Juni 2027. Einen Kran oder Lift mit belastbarer Traglast nennt der Betreiber nicht. Jede technische Bewegung benötigt eine individuelle Freigabe. Funkkontakt besteht während der Bürozeiten auf UKW-Kanal 9.
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Sainte-Marine: Jacques de Thézac und die Idee eines alkoholfreien Hauses für Fischer
Aus dem kleinen Weiler wurde ein Hafen für Küstenhandel und Sandfischer
Sainte-Marine war zu Beginn des 16. Jahrhunderts noch ein kleiner Weiler an der Odet-Mündung. Seine Lage gegenüber Bénodet machte ihn später zu einem Platz für Fischerei, Lotsen- und Fährverkehr. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich ein Küstenhandelshafen; im 20. Jahrhundert prägten außerdem Sandfischer und Ausflugsschiffe die Kais.
Die Verbindung zum gegenüberliegenden Ufer erfolgte über Jahrhunderte per Fähre. Erst die 1964 eröffnete Pont de Cornouaille schuf eine feste Straßenverbindung. Der kleine saisonale Fuß- und Fahrradfährbetrieb über die Odet blieb dennoch erhalten und führt die ältere Alltagsroute in anderer Form fort.
Jacques de Thézac gründete hier eines seiner Abris du Marin
Der wohlhabende Segler Jacques de Thézac lernte an der bretonischen Küste die harten Lebensbedingungen von Fischern und ihren Familien kennen. 1899 gründete er den „Almanach du Marin Breton“, der Gezeiten, Navigation, Medizin und technische Neuerungen in verständlicher Form vermittelte. Ab 1900 folgten die Abris du Marin nach dem Vorbild britischer Sailors’ Homes.
Das Gebäude in Sainte-Marine wurde 1904 errichtet und nahm nach kommunaler Überlieferung 1910 Fischer auf. In den auffällig rosa gestrichenen Häusern konnten Seeleute lesen, spielen, lernen und sich treffen, ohne etwas kaufen zu müssen. Alkohol und der Zutritt Betrunkener waren untersagt. Thézac verband diese paternalistisch geprägte Sozialarbeit mit Gesundheitsvorsorge gegen Verletzungen und Tuberkulose.
Mehr als 4.000 Glasplatten bewahren den Blick des Gründers
Thézac fotografierte nicht nur Boote, sondern auch Arbeit, Familien, Feste, Kinder und Trauerfeiern. 1988 übergab die Organisation der Abris du Marin dem Département Finistère 4.159 Glasplattennegative; weitere Originale kamen später hinzu. Der Bestand dokumentiert die Küstengesellschaft des frühen 20. Jahrhunderts ungewöhnlich nah und weitgehend ohne Atelierinszenierung.
Das ehemalige Abri am Quai Jacques-de-Thézac ist heute ein kommunales Museum und als historisches Monument geschützt. Seine Geschichte steht damit unmittelbar neben dem modernen Hafenbetrieb. Dieser entstand ab 1983 mit geordneten Kettenliegeplätzen, 1985 mit den Stegen von Toul ar Marc’h und 1987 mit einer als Capitainerie umgebauten früheren Trawlerhülle. Der Hafen ist jung, doch er liegt in einer Landschaft, deren soziale Seefahrtsgeschichte im Abri besonders gut erhalten ist.