Saint-Tropez – Port de Saint-Tropez
Liegeplätze und Infrastruktur im Port de Saint-Tropez
Der Port de Saint-Tropez verfügt über 729 Liegeplätze in mehreren deutlich unterschiedlichen Bereichen. Im Bassin Jean Lescudier liegen Boote bis 25 Meter bei etwa 2,50 bis 5,50 Meter Tiefe, im Vieux Port bis 50 Meter und am Môle d’Estiennes d’Orves bis 80 Meter. Diese Grenzwerte beschreiben Hafenbereiche, nicht eine garantierte Gastbox. Jede Einfahrt und Zuweisung ist auf UKW-Kanal 9 mit der Capitainerie abzustimmen.
Wasser und Strom stehen an jedem regulären Liegeplatz bereit. Im Bassin Jean Lescudier liefern die Säulen 240 Volt mit 32 oder 63 Ampere; Vieux Port und Môle d’Estiennes d’Orves bieten je nach Platz 240 oder 400 Volt bis 250 Ampere. Adapter können gegen Kaution ausgeliehen werden. Ein Sanitär-Block mit Duschen und Toiletten befindet sich am Empfangskai; den Zugangscode erhalten registrierte Gäste.
Grau- und Schwarzwasser werden nach Anmeldung mindestens 24 Stunden im Voraus kostenlos an mehreren Multifunktionssäulen abgesaugt. Für Bilgenwasser kommt nach 48-stündiger Terminvereinbarung eine mobile Pumpe bis 200 Liter zum Boot. Altöl kann nach Voranmeldung abgeholt werden; toxische technische Abfälle gehören zum „Point Propre“ der Arbeitszone.
Die technische Zone südlich des Bassin Jean Lescudier besitzt eine Arbeitsfläche und einen Kran bis zehn Tonnen. Eine flache Sliprampe liegt im Port du Pilon. Gewicht, Breite, Anschlagplan, Krantermin und zulässige Standzeit müssen mit dem dortigen Werftbetrieb vereinbart werden.
Die Tankstelle an der Mole des grünen Feuers verkauft SP98, normalen Diesel und steuerbegünstigten Diesel. Ein Kartenautomat ist rund um die Uhr nutzbar; bediente Zeiten wechseln saisonal. Vor dem Anlegen sind dennoch Wassertiefe, freie Seite und Eignung für die Bootsgröße zu bestätigen.
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Saint-Tropez: befestigte Seestadt, Fernhandel und moderne Kunst
Ein Vertrag von 1470 gründete die entvölkerte Stadt neu
Nach Kriegen und Epidemien war Saint-Tropez im 15. Jahrhundert unbewohnt; nur eine ruinöse Befestigung blieb. Am 15. Oktober 1470 übertrug Jean de Cossa, Baron von Grimaud und Großseneschall der Provence, das Gebiet an den genuesischen Adligen Raphaël de Garesio. Er sollte Familien ansiedeln, Stadt und Hafen wiederaufbauen und die Halbinsel sichern.
21 genuesische Familien kamen im Rahmen dieser Vereinbarung. Als Gegenleistung für Privilegien und Steuerfreiheiten unterhielten die Einwohner eine eigene Miliz. Daraus entwickelte sich die Bravade, bei der bis heute bewaffnete Formationen und Prozessionen an die frühere Selbstverteidigung der Hafenstadt erinnern.
Die Citadelle blickt auf eine weitreichende Seefahrtsgeschichte
Im frühen 17. Jahrhundert entstand über der Stadt die heutige Zitadelle. Ihr Donjon beherbergt das Museum der tropézischen Seefahrtsgeschichte. Die Ausstellung beschränkt sich nicht auf Küstenfischerei: Kapitäne aus Saint-Tropez handelten mit dem Osmanischen Reich, fuhren als Korsaren und dienten in weit entfernten Flotten.
Pierre-André de Suffren wurde als Admiral und Bailli des Malteserordens zur bekanntesten Marinefigur der Stadt. Hippolyte Bouchard kämpfte später in Südamerika. Zugleich bauten örtliche Werften Tartane und große Dreimaster. Hafen, Schiffbau und Fernfahrt waren daher lange wirtschaftliche Grundlagen, bevor der Ort zum internationalen Ferienziel wurde.
Paul Signac machte den Hafen zu einem Labor der Farbe
Der Maler und erfahrene Segler Paul Signac lief 1892 mit seiner Yacht „Olympia“ in Saint-Tropez ein. Er kaufte das Haus La Hune, richtete dort sein Atelier ein und lud Künstler wie Henri-Edmond Cross, Henri Matisse, André Derain und Albert Marquet ein. Der Hafen wurde zu einem wichtigen Schauplatz von Neoimpressionismus und Fauvismus.
Das Musée de l’Annonciade entstand 1922 und bezog 1955 die ehemalige Kapelle. Seine Sammlung dokumentiert diese avantgardistische Phase von etwa 1890 bis 1950. Im selben Jahrzehnt verstärkten Film und Prominenz den Wandel des Ortes: Roger Vadims „Et Dieu… créa la femme“ von 1956 machte Brigitte Bardot und Saint-Tropez international bekannt. Der heutige Ruf als Yachthafen überlagert daher eine viel ältere maritime Stadt und eine präzise fassbare Kunstgeschichte.