Port Grimaud
Liegeplätze und Infrastruktur in Port Grimaud
Port Grimaud ist keine einzelne Marina mit wenigen Stegen, sondern eine auf rund 90 Hektar angelegte Wasserstadt. Die kommunale Hafenregie verwaltet seit 2022 die mehr als 2.050 Liegeplätze in Außenbecken und Kanälen. Viele Plätze gehören unmittelbar zu Häusern oder langfristigen Nutzungsrechten; Gastplätze werden ausschließlich durch die Capitainerie zugeteilt. Anmeldung und Verkehrsabstimmung erfolgen auf UKW-Kanal 9.
Wasser und Strom stehen an den dafür ausgerüsteten Kais bereit. Elektrizität reicht je nach Bereich von 230 Volt mit 16 oder 32 Ampere bis zu 400 Volt mit 63 oder 125 Ampere; im Bassin de l’Amarrage sind 230 Volt und 16 Ampere das Maximum. Mehrere Sanitär-Blöcke sind für Nutzer des Hafenbeckens kostenlos. Die Anlagen werden schrittweise modernisiert, weshalb Standort und Zugang bei der Anmeldung bestätigt werden sollten.
Im Juli und August bietet die Regie nach Terminvereinbarung einen kostenlosen Pumpdienst für Grau- und Schwarzwasser an. Für andere Zeiten ist die aktuelle Verfügbarkeit direkt zu klären. Der Hafen befindet sich in einem mehrjährigen Programm zur Sicherung, Ausbaggerung und ökologischen Modernisierung. Eine allgemein verfügbare öffentliche Kran- oder Werftleistung mit verbindlicher Traglast veröffentlicht die Regie nicht; Auswassern und technische Arbeiten müssen mit einem zugelassenen Betrieb außerhalb beziehungsweise im dafür freigegebenen Bereich vereinbart werden.
Die Tankstelle von Port Grimaud ist innerhalb des Hafengebiets der einzige erlaubte Ort zur Betankung. Die aktuelle öffentliche Dokumentation nennt weder verlässlich Kraftstoffsorten noch Betriebszeit, Kartenzahlung oder maximale Maße am Tankplatz. Diesel oder Benzin, Wassertiefe, Anlegeseite und Betriebsstatus sind deshalb vor der Anfahrt zu bestätigen.
Die schmalen Kanäle sind zugleich Zufahrt zu privaten Häusern. Wenden, Anlegen oder längeres Warten ist nur an zugewiesenen Stellen zulässig. Fahrgastboote, kleine Elektroboote und Anwohnerverkehr teilen sich das Netz; Geschwindigkeit und Wellenschlag sind besonders gering zu halten.
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Port Grimaud: eine Wasserstadt aus den 1960er Jahren
François Spoerry kaufte zunächst ein ungeliebtes Sumpfgrundstück
Der Architekt und Segler François Spoerry kannte Häfen in Italien, Griechenland und den Kykladen aus eigener Anschauung. 1962 erfuhr er von einem etwa 30 Hektar großen Sumpfgrundstück am Ende des Golfs, das seit Jahren keinen Käufer gefunden hatte. Noch am selben Tag unterzeichnete er den Vorvertrag.
Seine Idee bestand nicht in einer Marina vor einer Ferienanlage. Meer und Land sollten ineinandergreifen, damit möglichst viele Häuser einen eigenen Liegeplatz besaßen. Der Bau begann 1966 auf dem Schwemmland der Giscle. Kanäle wurden ausgehoben, Inseln aufgeschüttet und Gebäude auf den schwierigen Untergrund gesetzt.
Das traditionelle Erscheinungsbild war eine bewusste Gegenposition
Während viele Ferienprojekte der Zeit auf große Betonblöcke, Flachdächer und Glasfassaden setzten, entwarf Spoerry ein kleinteiliges Dorf. Unterschiedliche Fassadenfarben, Ziegeldächer, enge Plätze und Brücken greifen provenzalische Motive auf, ohne eine historische Siedlung zu kopieren. Der Grundriss folgt keinem direkten Vorbild aus Venedig, Brügge oder Martigues.
Die Kernanlage entstand in mehreren Abschnitten zwischen 1966 und 1972 und wurde später erweitert. Heute erschließen etwa sieben Kilometer Kanäle und zwölf Kilometer Kais mehr als 2.400 Wohnungen. Vierzehn Brücken verbinden zwölf künstliche Inseln. Spoerry lebte selbst in Port Grimaud und wurde nach seinem Tod 1999 in der von ihm entworfenen Kirche Saint-François d’Assise beigesetzt.
Der ältere Ort Grimaud liegt weit oberhalb der Wasserstadt
Port Grimaud ist ein moderner Ortsteil der mittelalterlichen Gemeinde Grimaud. Das historische Dorf entwickelte sich auf einer Anhöhe am Rand des Massif des Maures. Von seiner Burg wurde der Golf strategisch kontrolliert, der bis ins 19. Jahrhundert sogar „Golfe de Grimaud“ hieß.
Die Wasserstadt erhielt 2000 das staatliche Label für das Erbe des 20. Jahrhunderts, heute „Architecture contemporaine remarquable“. Die Anerkennung gilt gerade ihrer modernen Planungsgeschichte. Hinter den scheinbar alten Gassen liegt ein vollständig neu geschaffenes System aus Wasserbau, Wohnungsbau und privatem Bootsverkehr, das weltweit ähnliche Projekte beeinflusste.