Palma de Mallorca – Contra Muelle Mollet
Arbeitskai und Werftinfrastruktur am Contramuelle Mollet
Contramuelle Mollet ist keine eigenständige Chartermarina mit zentraler Reservierung. Der Name bezeichnet einen historischen Arbeitskai im Hafen von Palma, an dem Fischerei, Real Club Náutico de Palma, Gewerbebetriebe und Astilleros de Mallorca unmittelbar nebeneinander liegen. Ein Liegeplatz kann daher nur beim jeweils zuständigen Konzessionär oder Betrieb vereinbart werden.
Wasser und Strom dürfen nicht als frei verfügbare öffentliche Versorgung am gesamten Kai verstanden werden. Anschlüsse richten sich nach dem konkreten Liege- oder Werftauftrag. Die öffentlich zugänglichen Unterlagen nennen außerdem keine gemeinsame Sanitär-Anlage für Gastboote; Toiletten, Duschen, Zugang und Abfallannahme müssen mit dem jeweiligen Betreiber geklärt werden.
Eine allgemein nutzbare Tankstelle ist am Contramuelle Mollet nicht ausgewiesen. Ein öffentlicher Kraftstoffkai befindet sich im rund einen Kilometer entfernten technischen Zentrum STP am Moll Vell. Art, Öffnung, maximale Yachtmaße und Freigabe sind dort separat zu bestätigen; ein Werftauftrag am Contramuelle umfasst nicht automatisch Kraftstoffversorgung.
Das prägende Unternehmen am Kai ist Astilleros de Mallorca, eine spezialisierte Refit- und Reparaturwerft für große Yachten. Die Anlage besitzt Werkstätten, spezialisierte Krane, Docks und einen Ausrüstungskai. Konkrete aktuelle Hubkapazitäten am Contramuelle veröffentlicht die Übersichtsseite nicht. Die oft genannten sechs Travellifte bis 1.000 Tonnen und 53 Liegeplätze bis 120 Meter gehören zum getrennten STP-Zentrum und dürfen nicht diesem Kai zugerechnet werden.
Der Contramuelle bleibt ein sicherheits- und arbeitsgeprägter Teil des staatlichen Hafens. Zufahrt, Parken, Fremdfirmen, Nachtzugang und jede Belegung hängen vom zuständigen Nutzer ab. Die korrekte Einordnung ist deshalb wichtiger als eine vermeintliche Marina-Ausstattung: Ohne bestätigten Vertrag ist der Ort kein frei anlaufbarer Ausgangshafen.
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Contramuelle Mollet: Palmas Kai der Schiffbauer
Am Mollet wurden schon früh Schiffe gebaut
Historische Aufnahmen aus der Zeit um 1920 zeigen am Contramuelle Mollet eine intensive Schiffbautätigkeit. Der Kai lag günstig zwischen Fischereihafen, innerem Hafenbecken und den Gewerbevierteln der Stadt. Holz, Takelage und später Maschinen konnten hier unmittelbar am Wasser verarbeitet werden.
Der Aufschwung hatte ältere Wurzeln. Zwischen 1863 und 1872 entstanden auf Mallorca 267 Schiffe mit zusammen 5.729 Tonnen. Palma besaß zeitweise zehn Werften, und das benachbarte Santa Catalina galt als Herkunftsort vieler erfahrener Zimmerleute und Seeleute.
Pailebotes verbanden Mallorca mit dem Festland
Besonders bekannt wurden mallorquinische Werften für hölzerne Pailebotes. Diese ungefähr 30 Meter langen Segler transportierten Waren zwischen den Inseln und Häfen der Iberischen Halbinsel. Vom späten 19. Jahrhundert bis in die 1930er Jahre bildeten sie einen wesentlichen Teil der regionalen Neubauproduktion; zahlreiche Einheiten erhielten später einen Hilfsmotor.
Die Arbeit verlangte das Wissen der mestres d’aixa, der Schiffszimmermeister. Sie übersetzten Linienriss und Erfahrung in Spanten, Planken und belastbare Verbindungen. Nur wenige dieser Frachter blieben erhalten, doch ihre Form dokumentiert den Übergang von der reinen Segelschifffahrt zum motorisierten Inselverkehr.
Astilleros de Mallorca zog 1967 an den Contramuelle
Astilleros de Palma war 1942 an der Pedrera gegründet worden und baute zunächst Holzschiffe für lokale Reedereien, Fischerei und Marine. Der wachsende Paseo Marítimo engte den Standort zunehmend ein; zeitweise musste für Botahrten sogar eine Drehbrücke im Straßenverlauf geöffnet werden. 1967 zog der Betrieb an den Contramuelle Mollet und nahm den heutigen Namen Astilleros de Mallorca an.
Vier Hellinge bis 1.700 Tonnen und ein hundert Meter langer Ausrüstungskai ermöglichten dort größere Frachter, Fähren, Fischereifahrzeuge und Spezialschiffe. Seit 1992 konzentriert sich die Werft auf Reparatur, Umbau und Restaurierung von Yachten. Der heutige Refitbetrieb steht somit genau an einem Kai, dessen Geschichte nicht von Ferienliegeplätzen, sondern von mehr als einem Jahrhundert Schiffbau und Hafenarbeit geprägt ist.